Computerviren halten die weltweite Internetcommunity immer wieder in Atem. Im Folgenden sind die zehn Varianten an Schädlingen aufgezählt, die besondere Bedeutung erlangten. Dabei werden auch Würmer berücksichtigt. In Expertenkreisen werden diese zwar aufgrund unterschiedlicher Funktionsweisen von Viren unterschieden, aber meist werden mit der Begrifflichkeit Viren auch Würmer gemeint:
Die Anfänge
1. Fred Cohens Vorarbeit, 1984: Der US-Amerikaner Cohen beschäftigte sich in seiner Dissertation mit der Möglichkeit von sich verbreitenden Computerviren. Er entwarf theoretisch einen nicht benannten Virus und leitete damit ungewollt die kriminelle Nutzung der Schädlinge ein.
2. Pakistani-Virus, 1986: Zwei Softwarehändler aus Pakistan kreierten diesen Virus aus geschäftlichen Interessen. Sie kopierten Programme aus den USA und verkauften diese auf Disketten preiswert. Der mitgelieferte Virus sorgte nur dafür, dass beim Hochfahren des Rechners Werbung für ihr Unternehmen angezeigt wurde. Im Vergleich zu späteren Viren ist dies kaum erwähnenswert: Der Pakistani-Virus gehört dennoch in diese Liste, weil er als erster Schädling zahlreiche Computer auf der gesamten Welt befiel.
3. Jerusalem-Virus, 1987: Dieser Schädling war ein negativer Meilenstein in der Geschichte der Viren. Zum ersten Mal gab es ein Programm, das auf die Funktionserschwerung bzw. -unfähigkeit von Rechnern zielte. An jedem Freitag, den 13., löschte er sämtliche EXE-Dateien.
4. Michelangelo, 1992: Dieser Virus versetzte die damals noch kleine Internet-Community in Angst und Schrecken. Grund hierfür war aber nicht, dass Michelangelo tatsächlich einen großen Schaden anrichtete. Vielmehr befeuerten die sich damals in finanziellen Schwierigkeiten befindlichen Hersteller von Antivirenprogrammen die Panik. Mit Erfolg: Die Absatzzahlen schnellten in die Höhe.
5. Concept-Virus, 1995: Dieser Virus zeichnete sich dadurch aus, dass er für das Programm MS-Word geschrieben wurde und beim Versand eines entsprechenden Dokuments per E-Mail den Rechner des öffnenden Empfängers befiel. Es folgte eine Reihe an Varianten, die nach demselben Prinzip konzipiert wurden.
Neues Jahrtausend, neue Herausforderungen
6. Loveletter, 2000: Mit der Betreffzeile “ILoveYou” in E-Mails verursachte dieser Schädling enorme Schäden. Hunderttausende Nutzer öffneten leichtfertig das angehängte Dokument. Die Folge war, dass in vielen Fällen sämtliche auf der Festplatte gespeicherten Bilddateien anschließend nicht mehr verwendbar waren. Der Loveletter war der erste massenweise verbreitete Wurm.
7. Ramen-Wurm, 2001: Dieser Virus ist erwähnenswert, weil er speziell für Linux programmierte wurde und der Auftakt zu zahlreichen Attacken war. Benutzer traf er weitgehend unvorbereitet: Bis dato hatten Schädlinge fast ausschließlich Windows zum Ziel, Linux-Nutzer wähnten sich in Sicherheit.
8. Sasser, 2004: Dieser Wurm ist ein gutes Beispiel, wie anfällig die Computerisierung sowie internationale Vernetzung Wirtschaftsprozesse macht. Dieser Schädling nutzte eine Sicherheitslücke bei Windows und verbreitete sich rasend schnell. Auch Rechner großer Konzerne und staatlicher Behörden waren befallen. In der Folge entspannte sich eine Diskussion über die gesellschaftliche Anfälligkeit durch solche Programme. Verantwortlich für Sasser zeichnete sich ein Schüler aus Niedersachsen, der eine Jugendstrafe auf Bewährung für sein Werk erhielt.
9. Bundestrojaner, seit 2011: Hinter Viren müssen nicht unbedingt Kriminelle stecken, es können auch staatliche Behörden sein. Unter großem Aufruhr hat der Chaos Computer Club den Bundestrojaner entlarvt, welcher von Strafverfolgungsbehörden zum Zweck der Online-Durchsuchung verwandt wird.
10. BKA-Virus, seit 2011: In letzter Zeit stellt ein Virus die Netzgemeinde vor Probleme, der einen erpresserischen Inhalt hat. Er blockiert die Benutzung des Rechners mit einer angeblich von der Bundespolizei stammenden Aufforderung, wegen illegaler Programme per Online-Bezahlsystem ein Bußgeld zu zahlen. Erst dann würde der Computer wieder entsperrt.
Komplette Sicherheit wird es nie geben
Die Geschichte der Computerviren ist längst nicht am Ende. Es wird weiterhin ein Katz- und Maus-Spiel zwischen Herstellern von Antivirensoftware und Programmierern von Schädlingen geben. Nutzern ist zu empfehlen, ihren Computer immer mit der aktuellsten Software zu schützen und mit Bedacht E-Mails zu öffnen.
Bildquelle: Pavel Ignatov – Fotolia